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Prof. Dr. Matthias Fank, Juli 2002
Business Intelligence
Das Ringen um Trendthemen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten

Hintergrundinformationen

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2001 zeichnete sich ein nachhaltiger Einbruch der Wirtschaft und insbesondere im IT-Umfeld ab. Am Ende des Jahres 2001, waren alle froh, die das Jahr überstanden hatten und nun begannen positiv ins Jahr 2002 zu schauen, welches 2002 jedoch insgesamt von schlechten Wirtschaftsnachrichten überschattet ist. Zahlreiche Insolvenzfahren in den unterschiedlichsten Branchen zusammen mit der schlechten Börsenentwicklung, lassen die gegen Ende 2001 zunächst optimistische Haltung auf ein Minimum sinken. Besonders stark ist die Entwicklung in der IT-Branche eingebrochen. War es doch gerade die IT-Branche, die in den letzten Jahren als Zukunftsbranche mit enormen Wachstumspotenzialen aufwartete, ist auch hier Ernüchterung eingetreten. Diese Ernüchterung ist geprägt von Orientierungslosigkeit und die IT-Unternehmen tun sich schwer ihre Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten. Die Euroumstellung und das Jahr 2000 mit der Datumsumstellung waren reine Selbstläufer und von konkreten Problemstellungen der Unternehmen getrieben, fehlen diese derzeit und die Unternehmen der IT-Branche müssen lernen bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln. Erschwert wird dieser Prozess durch die allgemein schlechte wirtschaftliche Entwicklung und der IT-Müdigkeit von Unternehmen. Waren in den letzten Jahren sehr viele Vorstandsthemen IT-Themen, sehen Unternehmen jetzt erstmalig wieder die Chance, sich auch anderen Themen wieder zu widmen um gewissermaßen zur alten „Normalität" zurück zu kehren. Inwieweit die IT wirklich unser wirtschaftliches Geschehen grundlegend revolutionieren oder nur eine temporäre Dominanz übernimmt, wird uns die Zukunft zeigen. Business Intelligence (BI), ein Begriff der seit einiger Zeit immer häufiger in das Produktportfolio von Hard- Software- und Beratungsunternehmen aufgenommen wird, zeigt klar, das diese Unternehmen lernen müssen Nachfrage zu generieren. BI ist ein erklärungsbedürftiges Produkt, das derzeit mehr einem Ladenhüter als einem Verkaufsschlager ähnelt. Um besser verstehen zu können wie eine entsprechende Nachfrage generiert werden kann, ist es hilfreich sich zunächst einmal die geschichtliche Entwicklung von BI zu betrachten. Dies erfolgt im weiteren Verlauf anhand der beiden Konzepte Data Warehouse, Data Mining und Knowledge-Management, die dazu beitragen sollen dem Begriff BI eine klare Kontur zu verleihen.

 

Data Warehouse

Von MIS zu DW
Seit den 60er Jahren ist es ein Ziel der betrieblichen Informationsverarbeitung Führungskräfte bei der Entscheidungsfindung durch den Einsatz von Informationssystemen zu unterstützen. Solche Systeme wurden bekannt unter der Bezeichnung Management Informationssysteme (MIS)1. Das Scheitern der MIS in den 60er und 70er Jahren hatte zahlreiche Gründe. Ausschlaggebend waren jedoch technische Defizite, euphorische Versprechungen der Anbieter und falsche Erwartungen der Anwender. In den darauf folgenden Jahren erhielten ähnliche Systeme verschiedenste Bezeichnungen wie z.B.:

  • FIS Führungsinformationssystem
  • VIS Vorstandsinformationssystem
  • BNS Betriebliches Navigationssystem
  • DSS Decision Support System
  • EIS Executive Information System


Bei näherer Betrachtung lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte der Systeme erkennen, die man auf einer Matrix mit den Dimensionen Verdichtungsgrad von Informationen und dem Funktionalitätsumfang der Systeme positionieren kann.

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Abb. 1: Varianten von Management Informationssystemen

Während die EIS primär das Ziel hatten vorhandene Informationen verdichtet aufzubereiten, waren die FIS bereits mit analytischen Funktionalitäten ausgestattet und fanden bezogen auf den Funktionalitätsumfang ihren Höhepunkt in den DSS. DSS hatten demzufolge eine andere Zielgruppen als EIS und FIS, da sie höhere Anforderungen an den Anwender stellten. Am stärksten setzten sich die EIS durch. Der Begriff wurde sehr stark durch die Firma SAP mit dem Produkt SAP EIS geprägt. SAP R3 mit dem klaren Fokus auf eine operatives Transaktionssystem, ist hinsichtlich der Funktionalitäten Berichterstellung und Auswertung unzureichend. Ein SAP EIS sollte dem Abhilfe verschaffen. Durch die Anbindung von SAP EIS an das Controlling ergab sich daraus eine klare Zuordnung zur Zielgruppe des Systems. Inwieweit dies sinnvoll oder zielführend war, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.

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Abb. 2: Das SAP EIS und seine Einordnung innerhalb von SAP2

Der zunächst letzte Begriff im Rahmen der geschichtlichen Entwicklung ist der des Data Warehouse. Data Warehouse Der Begriff Data Warehouse wurde maßgeblich durch W.H. Immon geprägt. Er definiert ihn wie folgt:
„A Data Warehouse is a subject-oriented, integrated timevariant, and a nonvolatile collection of Data in support of management Decision Supports process."
Ausgehend von dieser Definition kann folgendes festgehalten werden.

  • Ein DW besteht aus einer Mehrzahl von internen und externen Datenquellen
  • Multidimensionaler Modellierung von Daten
  • Ein DW beinhaltet Zeitreihenanalysen
  • Daten werden in einem Metadaten-Repository hinterlegt
  • Entscheidungsunterstützung erfolgt durch aufbereitete Informationen


Während EIS bereits darauf hindeuteten, das der Einbezug externer Daten für den Entscheider wichtig ist, wurde diesem Aspekt im Ansatz des Data Warehouse erstmalig wirklich Rechnung getragen. Der Begriff DW steht in enger Verbindung mit dem Begriff OLAP (OnLine Analytical Processing). Mittels OLPA konnten die statischen Analysen durch dynamische ersetzt werden. Der Begriff OLAP impliziert, dass die Entscheider online sämtliche relevanten Daten auswerten können. Im Rahmen der Analysemethoden erlebt zu Beginn der 90er Jahre das Data Mining einen neuen Aufwind. Dieses Thema wird in einem eigenen Punkt näher betrachtet. Da analytische Funktionalitäten die ein DW mit sich bringt ihren Tribut in der Softwareergonomie finden, sind bedienerunfreundliche Systeme die Folge. SAP mit seinem Business Information Warehouse z.B. ist es dementsprechend nicht gelungen ein attraktives Produkt zu anzubieten, wenngleich sich schon vieles verbessert hat. Dies ermöglichte es Unternehmen wie arcplan, die ein Front-End entwickelten welches intuitiv und leicht zu bedienen ist und eine Anbindung an das SAP Business Information Warehouse besitzt, überdurchschnittlich zu wachsen. Bedienerfreundliche Anwendungen sind sicherlich eines der großen Killerkriterien, wenn man bedenkt, das diese Systeme primär für die oberen Managementebenen konzipiert werden. Prestige und Image waren häufig treibendere Kräfte als nüchterne Kosten-Nutzen-Analysen.

 

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