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Prof. Dr. Matthias Fank, Feb 2004
Kompetenzmanagement

Hintergrundinformationen

Der Begriff „Kompetenz" ist in der Managementlehre kein neuer Begriff. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich die Managementlehre mit den Kompetenzen eines Managers. In diesem Zusammenhang taucht, in den Lehrbüchern der Managementlehre die Unterteilung in die Kompetenzbereiche fachliche und soziale Kompetenz auf. Neuerdings wird auch sehr viel über Medienkompetenz gesprochen. Die „Kernkompetenz" von Unternehmen ist ebenfalls ein Begriff der schon seit längerem in der Managementlehre verwendet wird. Konzentration auf die Kernkompetenzen, war in vielen Unternehmen die Parole bei Reorganisationen. Kompetenzmanagement hingegen ist ein Begriff der erst in den letzen Jahren im deutschen Sprachraum vermehrt Anwendung findet. Unternehmen wie auch Wissenschaftler scheinen mit dem Begriff Kompetenzmanagement ein Konzept vor Augen zu haben, mit Hilfe dessen aktuelle Problem- bzw. Fragestellungen angegangen werden können. So hat das IFF des Fraunhofer unter der Leitung von Herrn Reinhardt im Oktober 2003 bereits was durchgeführt. Das Institut für e-Management, dass in den letzten Jahren das Portal „knowledgeMARKT" gestaltet hat, welches seinerseits as seit 2004 in das Portal wissenskapital.de integriert wurde, hat im November 2003 bei seinen Lesern eine Abstimmung über die Themen, mit denen sich das Portal intensiver beschäftigen soll, durchgeführt. Aus der Umfrage ergaben sich sechs Themen, mit denen sich das Portal wissenskapital.de in 2004 auseinander setzen wird. Der Begriff „Kompetenzmanagement", der erstmalig als möglicher Themenschwerpunkt mit aufgenommen wurde, erreichte sofort den vierten Platz.

 

1. Mitarbeiteraktivierung

2. Wissensmanagement im Intranet / Portale

3. eLearning

4. Kompetenzmanagement

5. Wissen suchen & finden

6. Messung von Wissen

7. Wissensbewahrung

 

Tab.1: Ergebnisse der Trendthemenumfrage des IfeM, 11/03

Im November/Dezember 2003 wurde eine Befragung der Vorstandsvorsitzenden der DAX 30, MDAX und TecDAX Unternehmen durchgeführt. Im Rahmen der Befragung wurden die Vorstände gebeten eine Einschätzung abzugeben, welche Managementkonzepte in den nächsten drei Jahren relevant sein werden. Hierzu wurde ein Liste an möglichen Managementansätzen vorgelegt, wobei auch eigene genannt werden konnten. Die Befragung ergab folgende Rangfolge:

 

Geschftsprozessmanagement                

1

Human Ressource Management

2

Customer Relationship Management

3

Wissensmanagement                           

4

Kompetenzmanagement                       

5

Total Quality Management                     

6

Intangible Asset Management

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Tab. 2: Managementansätze der nächsten drei Jahre

Auch hier zeigt sich, dass das Thema Kompetenzmanagement zwar noch nicht zu den Top Managementthemen zählt, aber doch deutlich auf Interesse stößt. Mit fortschreitender Innovationsdynamik und Marktkomplexität verändert sich der Stellenwert der sogenannten Humanressource (Mitarbeiter) im Unternehmen dramatisch. In der Industrialisierung und noch in der anschließenden Digitalisierung auf reine Arbeitseinheiten reduziert, reden wir heute von Wissensressourcen und dem intellektuellen Kapital. Die nach wie vor wachsende Innovationsgeschwindigkeit zwingt Unternehmen zur schnellen eigenen Anpassung und zur Einbindung externer Partner, sei es temporär oder in nachhaltig angelegten Netzwerken. In diesem Kontext tritt nun die Ressource Kompetenz verstärkt auf das Spielfeld. Denn Wissen alleine reicht nicht aus, das (verteilte) Wissen muss angewendet werden oder viel mehr muss es so genutzt werden können, dass es zu einem wirtschaftlichen Vorteil führt. Damit ist Wissen letztendlich nur ein Potenzial (Spannung), das erst durch den Einsatz eines Verbrauchers bzw. eines Motors in Leistung resultieren kann. Die Ressource Kompetenz, sei es auf individueller Ebene eines Mitarbeiters oder auf struktureller Ebene eines Unternehmens oder sogar eines ganzen Kooperationsnetzwerks, ist ebenfalls wie alle anderen Ressourcen zu planen, zu gestalten und zu steuern bzw. zu managen. Ist Kompetenzmanagement die logische, evolutionäre Weiterentwicklung von Wissensmanagement oder entwickelt sich hier eine eigenständige, strategisch bedeutungsvolle Disziplin? Fundiert ist diese Frage derzeit nicht zu beantworten, zu diffus sind die bisherigen Diskussionen und Begriffseinordnungen. Konzeptionelle Ansätze und Instrumente und deren Wirkungsweisen sind intransparent. Insbesondere die Implikationen auf die Unternehmensstrategien, Organisation und Prozesse finden kaum eine systematische Betrachtung. In dem „Arbeitskreis Kompetenzmanagement" hat sich daher ein Expertenteam mit fundierter Strategie-, Organisations- und Technologiekompetenz in Wissensmanagement und den angrenzenden Managementdisziplinen gebildet. Mit dem Ziel diese Thematik praxisgerecht aufzuklären sowie die funktionierenden Methoden und Lösungen in die erfolgreiche Umsetzung zu bringen und mit der Gewissheit das Kompetenzmanagement eine der dominierenden unternehmerischen Herausforderungen der nächsten Jahre sein wird. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter der Unternehmen Netskill AG, Institut für
Arbeitswirtschaft und Organisation und dem Institut für Fabrikbetrieb und –automatisierung der Fraunhofer Gesellschaft, Braiconn GmbH, Communardo Software GmbH und dem Institut für e-Management an. Dieser AK führt im April bis Mai eine gemeinsame Online-Befragung auf dem Portal wissenskapital.de durch. Das Ziel dieser Befragung ist festzustellen, welche Problemstellungen mit dem Thema Kompetenzmanagement angegangen werden, und wo bislang die größten Schwierigkeiten bestanden.

 

Kompetenzmanagement

Geht man bei der Betrachtung des Begriffes Kompetenz auf den Wortstamm zurück, gibt es drei Bedeutungsformen:

  • Kompetenz mit Fähigkeiten in Verbindung gebracht werden und bringt zum Ausdruck das eine Person über bestimmte Fähigkeiten bzw. Kompetenzen verfügt, wie z.B. die Beherrschung einer Fremdsprache. Kompetenzen können demzufolge die unterschiedlichsten Ausprägungen haben und begegnen uns in den unterschiedlichsten Varianten wie Handlungs-, Medien-, soziale oder fachliche Kompetenz. Hier wird die Qualifikation, etwas zu tun, angesprochen.

Kompetenzmanagement
  • Kompetenz, wie der Begriff in der Organisationslehre verwendet wird, bezeichnet die Rechte und Befugnisse, aller zur Aufgabenerfüllung erforderlichen Handlungen und Maßnahmen, sie vornehmen zu können oder ausführen zu lassen (Thommen, J.-P., 2002). Demzufolge ist die Aufgabe eines Unternehmens die auszuübenden Tätigkeiten den Kompetenzen/Befugnissen und der Verantwortung entsprechend zu gestalten. D.h. zur Ausübung einer Aufgabe muss die erforderliche Befugnis/Kompetenz vorliegen.

Kompetenzmanagement
  • Kompetenz im Sinne von kompetere bringt zum Ausdruck im Wettbewerb zu stehen. Für einen unternehmensinternen Wettbewerb, würde dies bedeuten, dass ein Unternehmen die Aufgabe hat, die Kompetenzen der Mitarbeiter derart zu managen, dass Synergieeffekte erreicht werden können, nach dem Motto, die Summe ist mehr als die Addition der Einzelteile. Kompetenz in Richtung unternehmensexterner Wettbewerb würde seine Ausrichtung auf Wettbewerbsanalyse haben.

Kompetenzmanagement

Sich dem Begriff Kompetenzmanagement definitorisch zu nähern kann auch über den Ansatz der Kernkompetenz erfolgen. Kernkompetenz bezeichnet das Potenzial eines Unternehmens, das den Aufbau von Wettbewerbsvorteilen in verschiedenen Geschäftsbereichen ermöglicht(Thommen, J.-P., 2002). Kompetenzmanagement wäre demzufolge eher dem strategischen Management zuzuordnen, im Rahmen dessen Instrumente zur Identifikation und Bewertung bereit gestellt werden. Eine sehr weit gehende und abstrakte Definition ist von Felser (2003) und lautet wie folgt:

    Kompetenz ist:
         - die durch das Können, Wollen und Sollen eines Akteurs und seiner Umwelt bestimmte ...
         - vor allem auf Wissen und Netzwerken basierende Güte einer Fähigkeit ...
         - alleine oder im Netzwerk mit Partnern, unmittelbar oder mittelbar ...
         - vorhandene Bedürfnisse von Kunden optimal zu befriedigen
         - und so Werte (Gewinn, Glück!!!) zu schaffen,
         - und zwar nachhaltig wettbewerbsfähig bzw. überlegen.

Die Definition von Felser deckt sich mit den vorangegangenen Erläuterungen zum Begriffstamm von Kompetenz. Vereinfacht und zusammenfassend soll Kompetenzmanagement im folgenden durch drei wesentliche Merkmale beschrieben werden:

  • Kompetenzmanagement basiert auf den Fähigkeiten, in diesem
    Sinne Kompetenzen, von Personen und kann auf Unternehmen
    übertragen werden.
  • Kompetenzen müssen organisiert, abgestimmt und weiterentwickelt werden
  • Kompetenzen bestimmen sich aus den Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens und sollten vom Kunden aus abgeleitet werden, damit die Wertschöpfung erkennbar wird.

 

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