Intangible Assets sind ein breitgefächertes Wissensgebiet, zu dem es zum Teil keine eindeutigen Definitionen gibt. Nach unserem Verständnis lassen sich immaterielle Vermögensgüter wie folgt aufteilen und beschreiben:
Beziehungskapital:
Ein Unternehmen führt Beziehungen zu Konkurrenten, Lieferanten, Investoren und Partnern sowie intern zu den eigenen Mitarbeitern.
Die internen Beziehungen zum Personal – auch als Humankapital bezeichnet – setzen sich aus folgenden Punkten zusammen: Kompetenz, Know-how, Lernfähigkeit und Motivation. Bei dieser Kategorie kommt es also auf das mitarbeiterbezogene Wissen, die Fähigkeiten und sonstige immaterielle Besonderheiten (z.B. Betriebsklima) an, wie sich ein Unternehmens charakterisiert. Die Aussage, „Unser wertvollstes Kapital sind unsere Mitarbeiter“ liegt bei der Betrachtung von immateriellen Werten nah.
Bei den Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und weiteren Netzwerken charakterisieren sich Intangible Assets z.B. durch Kundenzufriedenheit oder die Bindung durch Marken. Solch immaterielle Werte basieren oftmals auf emotionale Bindungen. Dies gilt ebenfalls für Beziehungen zu Lieferanten. Abnahmeverträge, Entwicklungskooperationen. Im Investitionsbereich liegen Intangible Assets bei den Beziehungen zu den Kapitalgebern und damit durch erleichterte oder günstigere Konditionen der Finanzierung.
Die Kombination von internem Wissen und der Nutzung von externen Netzwerken sind essentiell für den Erfolg eines Unternehmens.
Vgl. Baral, U. und Vollmar, G.: Intellektuelles Kapital bewerten und steuern, In: Wissensmanagement 6/06
Vgl. Wagner, Marc: Immaterielle Werte in der Finanzanalyse, In: Controlling Heft 8/9, August/September 2006
Vgl. Köchling, M.: Immaterielle Werte in Handelsbilanz und Überschuldungsstatus, In: Betrieb und Wirtschaft, Heft 2/2003, S. 49
Bilanzierung von Intangible Assets:
Die Bedeutung von immateriellen Werten ist in den letzten Jahren – gar im gesamten Wandel von der Industrie- hin zur Wissensgesellschaft – stark angestiegen. Immer mehr nicht klar und direkt erkennbare ökonomische Vorteile wie Patente, Beziehungen zu Kunden und Lieferente sowie Know-how stehen Anlagen wie Gebäuden, Grundstücke und Fuhrparks gegenüber. Die Wissensarbeit eines Unternehmens ist mittlerweile Bestandteil seiner Wertschöpfungskette geworden.
Im Gegensatz zu den traditionellen Vermögenswerten sind Intangible Assets schwierig zu bilanzieren. Sie sind in der Regel immateriell und mehr geistiges Eigentum und so nicht wirklich „greifbar“. Nach dem Gesetz können Güter nur in Bilanzen aufgeführt werden, wenn sie physisch in Erscheinung treten können. Dies trifft bei immateriellen Werten auf Patente, Marken und Software zu. So genannte „weiche“ Werte – Vermögensgüter wie Kundenbeziehungen und technisches Know-how – können bisher nicht in Handelsbilanzen visualisiert werden, sind aber oft Entscheidungsgrundlagen für das Management und ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens.
Um einen Barwert eines Vermögensgutes zu ermitteln, werden Cash-Ströme benötigt. Gerade bei immateriellen Vermögenswerten tritt deren Wirkung oftmals erst mit erheblicher Verzögerung auf. Sie schöpfen zwar generell Potenziale auf, doch können diese nicht genau den vorherigen Aufwendungen zugeschrieben werden. Cash-Flow-Modelle zur Ermittlung von Intangible Assets werden zwar entwickelt, doch gibt es bisher keine funktionierenden Ansätze.
So kommt es bei der wirtschaftlichen Erfassung von Intangible Assets weiter auf die Unternehmen an. An plausiblen Indikatoren müssen regelmäßige Veränderungen beobachtet werden. Ebenso sollten Unternehmen festgelegt haben, weshalb diese Indikatoren wichtig sind und wie diese mit den immateriellen Vermögenswerten zusammenhängen. Durch langfristige empirische Beobachtungen kann eine finanzielle Bewertung von Intangible Assets möglich werden.
Vgl. Baral, U. und Vollmar, G.: Intellektuelles Kapital bewerten und steuern, In: Wissensmanagement 6/06
Vgl. Wagner, Marc: Immaterielle Werte in der Finanzanalyse, In: Controlling Heft 8/9, August/September 2006
Vgl. Köchling, M.: Immaterielle Werte in Handelsbilanz und Überschuldungsstatus, In: Betrieb und Wirtschaft, Heft 2/2003, S. 49
Innovationskapital:
Das Innovationskapital entspricht der Fähigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung. Es bezieht sich auf die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, d.h. auf die kontinuierliche Verbesserung und Entwicklung der Potenziale im Unternehmen. Das Innovationskapital fokussiert dabei die Entwicklung und Optimierung von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen sowie von Technologien.
Innovationskapital umfasst seinerseits immaterielle Vermögenswerte wie Patente, juristische Rechte, Softwareentwicklungen, Filme, geistiges Eigentum, Geschäftsgeheimnisse, oder auch ungeschützte Rezepturen.
Vgl. Wissenschaftsmanagement special - Zeitschrift für Innovation 3/2005 S.4
Humankapital:
"Humankapital (HK) umfasst unter anderem die Kompetenzen, Fertigkeiten und Motivation der Mitarbeiter. Das Humankapital ist im Besitz der Mitarbeiter, die ihr Wissen mit nach Hause oder auch zum nächsten Arbeitgeber mitnehmen. Das Humankapital kann nicht vollständig von der Organisation kontrolliert werden"
BWA (2004): Wissensbilanz-Made in Germany, S. 43
„Bestand an Wissen und Fertigkeiten eines Individuums, dessen Zunahme die Produktivität des oder der Betreffenden erhöht, wobei es sich um schulisches oder aber berufliches Humankapital handeln kann, je nachdem wo es erworben wurde.“
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz
Humankapital bezeichnet den Bestand an Fähigkeiten, Kenntnissen und Eigenschaften eines Individuums, welcher sich auf dessen Produktivität auswirkt. Humankapital wird in erster Linie über Bildung und Erfahrung aufgebaut (so genannte Humankapitalinvestitionen).
Gary Stanley Becker (1983)
Standortkapital:
Standortkapital „... sind Vor- oder Nachteile, die sich aus dem spezifischen Standort eines Unternehmens ergeben.“ (vgl. Rieg, R.)
Aus unsere Sicht sind folgende Aspekte des Standortkapitals von Bedeutung:
• Infrastruktur ist beispielsweise entscheidend, um eine möglichst großes Einzugsgebiet für Arbeitnehmer zu haben. Das Potential an gut ausgebildeten Arbeitnehmern ist ebenfalls von Bedeutung.
• Universitätsnähe bietet die Möglichkeit in Forschungsfragen zusammenzuarbeiten sowie qualifiziertes Personal zu akquirieren.
• Anbindung ans Fernverkehrsnetz gerade aus logistischen Gesichtspunkten für produzierende Unternehmen von großer Bedeutung.
• Großstadtpräsens mit Messen oder Hotels ermöglicht Kunden und Besuchern einen besseren Zugang zum Unternehmen.
• Zentraler Standort hat eine nicht zu verachtende Außenwirkung. Die Tatsache, das hauptsächlich Banken als sehr wohlhabende Unternehmen Ihren Hauptsitz der Innenstadt haben, ist ein guter Beweis dafür.
Rieg, R.: Immaterielle Werte - der Heilige Gral der Betriebswirtschaft?,
In: Bilanzbuchhalter und Controller, Heft 04/2006, S. 82
Strukturkapital:
Bezeichnet jenes Wissen, welches in Organisationsstrukturen, Prozessen und Unternehmenskultur festgehalten und institutionalisiert wurde. Strukturkapital ist eine Form des expliziten Wissens, kann Patente, Urheberrechte, Verträge, Markennamen, Geschäftsgeheimnisse beinhalten und in dokumentierten Verfahren, Datenbanken, Experten-, Entscheidungsunterstützungs- und WM-Systemen gespeichert sein. Strukturkapital ist das, was übrig bleibt, wenn alle Mitarbeiter nach Hause gehen und ist somit "Eigentum der Organisation".
European Guide to Good Practice in Knowledge Management (2003) - CEN / ISSS
"Strukturkapital (SK) umfasst all jene Strukturen und Prozesse, welche die Mitarbeiter benötigen, um in ihrer Gesamtheit produktiv und innovativ zu sein. Es besteht aus all jenen intelligenten Strukturen, welche bestehen bleiben, wenn die Mitarbeiter nach der Arbeit die Organisation verlassen".
BWA (2004): Wissensbilanz-Made in Germany
Weiterhin agiert das Strukturkapital als Multipler des Humankapitals, denn nur wenn die Organisationsstruktur im Unternehmen einen hohen Stand ist, kann das Management das vorhanden Humankapital zur Wertsteigerung einsetzen.
Copyright © by wissenskapital.de - Die Ressource zur Thematik Wissensmanagement im Internet: e-Learning, Intangible Assets, Intranet, Kompetenzmanagement, Mitarbeiteraktivierung, Suchtechnologien, Wissensbewahrung. Alle Rechte vorbehalten.